Januar 29, 2014

Wenn sich gute Vorsätze verselbständigen

Ich bin ja überhaupt nicht der Typ für gute Vorsätze. Meistens nehme ich mir nicht speziell an Silvester was vor, denn ich finde die Enttäuschung es nicht durchgehalten zu haben immer viel zu schlimm. Ich ändere lieber individuell an Situationen die mir nicht gefallen etwas.

Dieses Silvester traf lustigerweise beides aufeinander. Mein Mann hatte mich Ende letzten Jahres mit einem Burda-Abo überrascht (gut wenn man Kontakte hat ;-)). Durch die Arbeit, die Kinder und die Bloggerei kam die Näh-Lektüre leider etwas zu kurz. Der Tag, als sie im Briefkasten lag wurde immer nur ihr gewidmet incl. einer Tasse Kaffee und danach.......Zeitungsständer. Schad drum! Aber warum nicht mit dem Blog verbinden? Also hab ich mir vorgenommen jeden Monat irgendetwas daraus zu machen - egal was und Euch zu zeigen. Kann ja nicht so schwer sein.

Und es wurde schwer. Mein Herz hängt nun an einem Artikel fest. Keine Hose, kein Rock, kein Oberteil, nicht mal eine von diesen "Aufpimp-Ideen". Nein, mein Herz schlug hoch und zwar beim Artikel für den "Sunday-Morning-Quilt".



Quilts faszinieren mich ja schon lange. Wahre Kunstwerke sind das. Das erste Mal von dieser "Wissenschaft" gehört habe ich als Teenager bei dem Film "Doc Hollywood". Und seit ich das Buch "Der Weihnachtsquilt" gelesen habe (eine wunderbar kitschige Familiengeschichte) bin ich sowieso in diesen Bann gezogen.

Allerdings bin ich ja überhaupt keine Quilterin. Allein die Vorstellung irgendetwas von Hand zu nähen.....und die ganzen Namen der einzelnen Blöcke sind schon irgendwie seltsam. Auch dass jeder Quilt eine eigene Geschichte haben soll/sollte und irgendein Zauber oder eine Bedeutung darin liegt hört sich zwar schön ab aber ich hielt das immer für romantischen Schnickschnack. 

Aber ich sage Euch: ich sollte eines besseren belehrt werden. Nicht dass es irgendwelche Blöcke werden sollten - nein nur Streifen aneinandernähen. Das Problem lag an der Beschaffung der solchen. Mir war klar, dass ich nicht so viele Stoffreste in meinen Kisten habe, dass da 650 Rechtecke dabei rauskommen. Da habe ich diese "Jelly-Rolls" entdeckt. Perfekt! Fertig geschnittene Streifen, nur noch auf die richtigen Längen kürzen. Damit müsste es gehen. Quiltgeschäft im Nachbarort ausfindig gemacht, Kind eingepackt und hingedüst. 15 Minuten später stehen wir vor einem leeren Haus. War wohl nix, wieder nach Hause. Im Internet gestöbert und die aktuelle Adresse gefunden. Am nächsten Tag wieder hin, nach Jelly Roll gefragt. Wird erledigt, in den gewünschten Farben, sind heute Nachmittag fertig. Also Nachmittags wieder hin (das dritte Mal also), auf den Stoff gefreut, in die Handtasche gegriffen - Geldbeutel vergessen. Auf dem Dorf glaubt man aber noch an das Gute im Menschen und so durfte ich die Stoffe trotzdem mitnehmen. Am nächsten Tag die vierte Runde gedreht - diesmal mit Geldbeutel und Schulden beglichen.


Da war mir schon klar: dieser Quilt hat Bedeutung und Namen. Ich nenne ihn hiermit feierlich den

Vergiss-mein-nicht-Quilt

Und ich wette, dieser Name zieht sich bis zur Fertigstellung hin. Schon beim Zuschneiden meiner eigenen Stoffe, die noch mit rein sollen kamen Erinnerungen an die Nähprojekte der letzten 2 Jahre hoch und an aller Erlebnisse, die damit zusammenhängen. 


Ich werde Euch berichten, jetzt wird erstmal der Rollschneider strapaziert - 650 (!) Rechtecke.......

herzallgäuerliebste Grüße
Carmen